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Geduld und Sorgfalt:

Arbeitsalltag im Chemielabor

Von Unispectrum live
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Die TU bietet jungen Menschen nicht nur ein Studium an, sie können hier auch einer Ausbildung nachgehen – so wie Janina Klingkowski und Rabea Müller. Die beiden haben ihre Ausbildung zur Chemielaborantin kürzlich mit Erfolg abgeschlossen.

Regale voller Messzylinder, Tropftrichter, Porzellanschalen und Erlenmeyerkolben, in Schränken reihen sich Flaschen mit weißen Pulvern und Flüssigkeiten aneinander. Menschen in weißen Kitteln stehen an Laborbänken, pipettieren Flüssigkeiten in Reagenzgläser, wiegen Pulver auf einer Präzisionswaage ab, daneben schleudert eine Zentrifuge. In kleinen Kolben in einem Heizbad brodeln bunte Flüssigkeiten vor sich hin. Außer den Geräuschen, die die Geräte produzieren, ist nicht viel zu hören, man arbeitet konzentriert. – So stellt man sich gemeinhin ein Chemielabor vor. Nicht ganz zu unrecht. Solche Labore sind auch die Arbeitswelt von Janina Klingkowski, 24 Jahre alt, und der 19-jährigen Rabea Müller. Beide haben kürzlich ihre Ausbildung zur Chemielaborantin im Fachbereich Chemie nach dreieinhalb Jahren mit Erfolg abgeschlossen.

Den Beruf an einer Universität zu erlernen, hatte dabei durchaus Vorteile: „Schon während unserer Ausbildung haben wir alle Lehrstühle im Fachbereich kennengelernt und so Einblick in verschiedene Bereiche wie anorganische, organische und Lebensmittelchemie erhalten“, sagt Müller. „Unser Beruf ist generell sehr abwechslungsreich“, ergänzt Klingkowski. Während ihrer Ausbildung hat sie Ludvik Napast, der Leiter des Chemikalienlagers, betreut. Zunächst haben die jungen Frauen Schritt für Schritt die wichtigen Grundlagen für das Arbeiten im Labor erlernt. Sie haben unter anderem gelernt, wie sie Stoffe trennen und reinigen, mit welchen chemischen Verfahren sie Produkte charakterisieren oder wie sie Präparate herstellen. Nach und nach bekamen sie mehr Verantwortung. „Ab dem dritten Ausbildungsjahr haben wir dann zunehmend selbstständig gearbeitet“, so Müller. „Am liebsten habe ich dabei Substanzen analysiert, also untersucht, aus welchen Bestandteilen sie zusammengesetzt sind.“

Neben der praktischen Arbeit im Labor mussten die beiden regelmäßig zur Berufsschule nach Ludwigshafen. Hier haben sie unter anderem Grundlagen und Fachkenntnisse in Technischer Mathematik, Technischem Englisch sowie in Physikalischer und Analytische Chemie erlernt.

Wer im Labor erfolgreich sein will, sollte viel Geduld mitbringen. „Manchmal muss man Versuche wiederholen, bis sie funktionieren“, sagt Klingkowski. Auch das akkurate Arbeiten sei zwingend erforderlich. „Vor allem beim Zusammenmischen von Chemikalien muss man exakt sein. Fehler können gefährlich sein“, fährt Müller fort. Zudem sollte man ein hohes Verantwortungsbewusstsein beim Umgang mit Chemikalien und Geräten an den Tag legen.

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Unser Beruf ist generell sehr abwechslungsreich.

Janina Klingkowski

Janina Klingkowski und Rabea Müller wussten schon früh, welchen Weg sie nach der Schule einschlagen wollten. „Ich hatte in der Oberstufe Chemie als Grundkurs. Leider war kein Leistungskurs zustande gekommen. Nach dem Abitur war mir klar, dass ich in der Richtung arbeiten möchten“, so Klingkowski. Auch für Müller war es ähnlich: „In der Realschule habe ich mich vor allem für die Naturwissenschaften interessiert. Außerdem wollte ich keinen Beruf, bei dem ich den ganzen Tag am Schreibtisch sitze.“

Aber nicht nur das Interesse für Naturwissenschaften ist für den Beruf wichtig. „Gefragt ist auch Teamfähigkeit“, so Müller. „Außerdem kommt man nicht um Mathematik herum. Um zum Beispiel chemische Lösungen anzusetzen, muss man richtig rechnen können.“ Darüber hinaus gibt es in den Laboren zahlreiche Geräte, um Versuche durchzuführen. „Hier ist auch ein technisches Verständnis erforderlich. Zudem müssen wir die Daten mit Computerprogrammen analysieren können“, ergänzt Klingkowski.

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Gefragt ist auch Teamfähigkeit. Außerdem kommt man nicht um Mathematik herum.

Rabea Müller

Vor ein paar Wochen haben die beiden ihre theoretischen und praktischen Prüfungen erfolgreich über die Bühne gebracht. Klingkowski hat als Jahrgangsbeste abgeschlossen und auch Müller landete auf den vorderen Plätzen. Dem Fachbereich Chemie sind sie treu geblieben. Seit kurzem arbeiten sie als Chemielaborantinnen in den Arbeitsgruppen der Lebensmittelchemie und Toxikologie: Müller bei Professorin Dr. Elke Richling und Klingkowski bei Professor Dr. Dieter Schrenk. „Ich bin an Forschungsprojekten beteiligt und unterstütze Doktoranden bei ihrer Arbeit“, so Müller. Aber auch bei studentischen Projekten sowie bei Bachelor- und Masterarbeiten hilft die 19-Jährige bei den Versuchen im Labor. „Zu meinen Aufgaben gehört es, das studentische Praktikum mit zu betreuen und vorzubereiten“, so Klingkowski weiter.

Die Ausbildung an der TU haben die beiden Chemielaborantinnen sehr geschätzt. „Die Atmosphäre hier ist sehr familiär. Wir wurden sehr gut betreut und haben viel gelernt“, sind sich beide einig.

 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 09.03.2017 von
Melanie Löw

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