© Juan Morales
Fit für die Bau- und Immobilienbranche

Das Studium war ein Volltreffer

Von Unispectrum live
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Den Kolumbianer Juan Morales hat es für sein Studium nach Kaiserslautern verschlagen: Er hat gerade seine Bachelorarbeit in Facility Management abgeschlossen. Sein Weg dahin war länger als geplant.

Für Juan Morales war schon früh klar, dass er etwas mit Technik und Wirtschaft studieren möchte. Nur stand für ihn noch nicht fest, dass er für sein Studium eines Tages nach Deutschland gehen sollte. Der 27-Jährige stammt aus Kolumbien, in der Hauptstadt Bogotá ist er aufgewachsen, zur Schule gegangen und hat hier auch sein Abitur gemacht. „Die Idee nach Deutschland zu gehen, kam einem Schulfreund und mir auf einer Geburtstagsfeier“, erinnert er sich. „Viele Kolumbianer gehen fürs Studium nach Kanada oder in die USA, das ist näher als Europa.“ Für Morales Entscheidung spielte es auch eine Rolle, dass seine Schwester bereits für ihr VWL-Studium in Heidelberg nach Mannheim gezogen war.

Um sich auf die Sprache vorzubereiten, besuchte er in seiner alten Heimat zuvor noch einen Deutschkurs am Goethe-Institut. „Das hat mir allerdings wenig gebracht.“ 2009 ging sein Abenteuer schließlich los, er zog nach Mannheim zu seiner Schwester: „Ich bin an einem Samstag gelandet. Am Montag ging der Sprachkurs los.“ Dazu besuchte er an der Abendakademie in Mannheim Deutschkurse. Da sein Schulabschluss in Deutschland nicht für ein Studium anerkannt wurde, musste er am Studienkolleg in Darmstadt Technik-Kurse belegen, um eine Hochschulzugangsberechtigung zu erhalten.

Dann endlich sollte es losgehen: An der Hochschule Mannheim belegte er den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen. „Leider habe ich festgestellt, dass der Ingenieursteil hauptsächlich aus Maschinenbau bestand“, erzählt er. „Ich wollte aber in die Richtung Bauingenieurwesen gehen.“ Daher begann er sich nach Alternativen umzuschauen. „Ich musste eine Weile suchen, bis ich das Passende gefunden hatte“, fährt der Student fort. Gemeint ist damit der Bachelorstudiengang Facility Management an der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK).

Im Wintersemester 2013/14 – vier Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland startete er erneut. „Das war für mich wie für ein kleines Kind, das zum ersten Mal das Meer sieht“, erinnert er sich, als er erstmals auf den Campus gekommen war. „Das ist schon etwas anderes als an einer Fachhochschule.“ Auch seine erste Vorlesung im Facility Management hat er noch gut in Erinnerung: „Da konnte ich mir ein gutes Bild davon machen, worum es im Studium geht.“

Der Bachelor Facility Management kombiniert Inhalte aus dem Bauingenieurwesen, Architektur, Wirtschaft und Recht. Zudem vermittelt er technische und wirtschaftliche Grundlagen, die beim Bauen und Managen von Immobilien wichtig sind.

Jeden Morgen ging es für den Studenten von da an per Zug von Mannheim nach Kaiserslautern. Ein Umzug kam für ihn nicht in Frage. „Mannheim ist mein zu Hause, das passt hier alles gut“, so Morales weiter.

Um sein Studium zu finanzieren, hat Morales auch immer wieder nebenbei gejobbt, zum Beispiel in der Gastronomie. Er hatte aber auch das Glück, bei Apleona HSG, einem Dienstleister aus dem Facility Management, als Werkstudent zu arbeiten und dort Praxiserfahrung zu sammeln. An der TUK hat er im Anschluss als studentische Hilfskraft bei Professor Kurzrock gearbeitet. Im Rahmen des Projekts „Masterplan Klimaschutz“. „Ich habe mich dabei mit dem Lebenszyklus eines Gebäudes beschäftigt“, sagt er. „Dabei ging es auch um die Kosten, die bei einer Instandhaltung anstehen.“

Danach arbeitete er als Werkstudent bei der IT-Beratungsfirma Planon. Es bietet Unternehmen Software-Lösungen an, mit denen diese ihre Gebäude effizienter managen und verwalten können.

© Juan Morales

Das wollte ich immer machen.

Juan Morales

Auch in seiner Bachelorarbeit hat sich Morales mit einem solchen Thema beschäftigt. „Ich habe die Arbeit im Bereich Building Information Modelling geschrieben“, sagt er. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem man von der Planung des Gebäudes über den Bau bis zum späteren Betrieb alle Maßnahmen und Projektbeteiligten mit einbezieht. Das heißt zum Beispiel, es geht etwa nicht nur um Baukosten, sondern auch für um den späteren Betrieb und dabei um die laufenden Kosten, wie etwa den Energieverbrauch. „Solche Systeme vereinfachen das Facility Management erheblich“, sagt er. „Auch die Zusammenarbeit verschiedener Partner kann damit gewährleistet werden, beispielsweise weiß dank dieses Systems nicht nur der Elektriker, wo Stromkabel im Gebäude verlegt sind.“ Zudem ist es später, wenn Gebäude bewohnt oder Büros darin sind, einfacher, den Überblick zu behalten. „Ich habe mich im Rahmen meiner Arbeit mit der Instandhaltung eines Gebäudes beschäftigt und unter anderem untersucht, wie ein Beleuchtungssystem und die Kosten in einem solchen Plan eingebaut werden können.“

Nun hat Morales seine Bachelorarbeit fertig geschrieben. Ein paar Klausuren fehlen ihm noch – dann hat er seinen Abschluss in der Tasche. Das Studium an der TUK war für ihn genau das Richtige. „Das wollte ich immer machen“, sagt er. Das Studium kann er empfehlen. Wer sich dafür interessiert, sollte in jedem Fall Interesse an Technik und Wirtschaft mitbringen, aber auch eine IT-Affinität besitzen. „Außerdem muss man gerne mit Menschen zusammenarbeiten und teamfähig sein“, sagt er. „Viele Stellen in unserem Bereich haben auch Personalverantwortung. Im Beruf wird man zudem immer Kontakt mit Kunden haben“, sagt Morales weiter, der sich zudem in seiner Freizeit noch als Wohnheimsprecher in Mannheim engagiert. Dass es dabei zuweilen nicht immer einfach sei, habe er auch gelernt, als er im Rahmen eines Studentenjobs für einen Mobilfunkanbieter im Verkauf gearbeitet habe.

Vom Unternehmen Planon hat er bereits ein Jobangebot in der Tasche, über das er sich sehr freut. Den Master möchte er eines Tages berufsbegleitend machen. Jetzt heißt es aber erst einmal Praxiserfahrung sammeln. Zurück nach Kolumbien zu gehen, kann er sich nicht mehr vorstellen. „Deutschland ist mir auch Heimat geworden“, sagt er.

 

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Erstellt
am 30.08.2017 von
Melanie Löw