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Professur im Irak

„Kurdistan braucht Ingenieure“

Von Unispectrum live
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Für Juniorprofessor Martin Thomas Horsch geht die Zeit in Kaiserslautern demnächst zu Ende. Ab September tritt er eine Professur im Irak an – im vom Krieg verschonten Nordosten des Landes.

Seit Juni 2011 forscht Juniorprofessor Dr. Martin Thomas Horsch bereits an der TU Kaiserslautern. Nun steht für ihn ein neues Kapitel an: Im September tritt der Ingenieur eine Professur an der American University of Iraq – Sulaimaini (AUIS) an. Die noch junge Hochschule liegt im Nordosten des Irak. Die Region um Sulaimaini zählt zum Süden von Kurdistan, ein Gebiet, das weitgehend von den kriegerischen Unruhen der vergangenen Jahre verschont geblieben ist. Da viele Menschen vor Krieg und Terror hierher geflüchtet sind, ist die Stadt in den letzten Jahren gewachsen. So wohnen hier über 1,5 Millionen Menschen.

An der irakischen Universität wird Horsch als „Associate Professor of Energy and Chemical Engineering“ tätig sein. „Es steht hier vor allem die Lehre im Vordergrund, ähnlich wie an deutschen Fachhochschulen“, sagt Horsch, dessen Juniorprofessur an der TU Kaiserslautern dem Lehrstuhl für Thermodynamik von Professor Dr. Hans Hasse angegliedert ist. Hier beschäftigen sich die Ingenieure im Sonderforschungsbereich „Bauteiloberflächen: Morphologie auf der Mikroskala“ mit Oberflächeneffekten. Dies ist auch das Arbeitsgebiet von Horsch. Er entwickelt Software und Methoden für Computersimulationen, die zeigen, wie sich verschiedene Moleküle an Grenzflächen verhalten. „Was passiert, wenn sich etwa Kohlendioxid an einer Grenzfläche anlagert? Wie verändern sich die Eigenschaften der Grenzfläche?“, nennt er als Beispiel. In seinen Simulationen kann er diesen Einfluss gezielt untersuchen.

Horsch hat an der Universität Stuttgart Informatik mit Nebenfach Chemie studiert. Nach seinem Diplom forschte er zunächst am Lehrstuhl von Professor Hasse, der damals noch in Stuttgart war. Über Paderborn und London kam er schließlich nach Kaiserslautern.

Nun läuft seine Juniorprofessur in Kaiserslautern aus und er wird für seine neue Stelle in den Irak ziehen. „Ich hatte auch einen Ruf aus Indien“, sagt er. „Dort war ich zuletzt ein halbes Jahr als Gastprofessor tätig. Aber ich habe mich hierfür entschieden. Dieses war das bessere Angebot.“ Ob ihm mulmig bei seiner Entscheidung gewesen sei? „Kurdistan braucht Ingenieure. Sorgen mache ich mir nicht.“

 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 17.07.2017 von
Melanie Löw