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Zum Jubiläum

Mit dem eigenen Rennwagen auf der Überholspur

Von Unispectrum live
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Schon seit zehn Jahren schrauben und tüfteln sie an ihren Boliden: Die Mitglieder des Kaiserslautern Racing Teams, kurz KaRaT. Mit ihrem Wagen stellen sie sich jährlich im Wettbewerb Formula Student der Konkurrenz. Dabei schneiden sie im Jubiläumsjahr bislang gut ab.

Leicht ist es nicht zu finden: Das Büro – oder vielleicht besser die Einsatzzentrale – von KaRaT. Versteckt im hinteren Teil von Gebäude 21 hat das studentische Team seinen Sitz. Das sich hier alles um Rennsport dreht, wird schnell klar: An den Wänden hängen Ablauf- und Terminpläne, aber auch großformatig Bilder mit allen Teams der Formula Student hängen an den Wänden. Auf dem Tisch liegt ein T-Shirt, auf dem die Rennwagen der letzten zehn Jahre aufgedruckt sind. Auf einem großen Kalender sind Daten in den Sommermonaten blau umrandet. Es sind die entscheidenden Termine der Saison für die Rennsportler: Niederlande, Hockenheim und Barcelona. 

Erst vor Kurzem sind sie aus den Niederlanden zurückgekehrt – mit einem großen Erfolg im Gepäck. „Wir sind vierter in der Klasse der Elektroantriebe und insgesamt sechster bei der Formula Student Netherlands geworden“, freut sich Tobias Jauch, Erster Vorsitzender und Teamleiter von KaRaT. „Das ist bislang unser bestes Ergebnis.“

Die Mitglieder von KaRaT stammen sowohl von TU als auch von der Hochschule Kaiserslautern. Bereits seit zehn Jahren werkeln sie an ihren Rennwagen. Starteten sie zunächst noch mit Verbrennungsmotor, setzen sie seit der Saison 2011/12 auf einen Elektroantrieb. In jedem Jahr bauen sie für den internationalen Wettbewerb Formula Student ein neues Auto, das den Regularien der Veranstalter entsprechen muss.

Um innerhalb einer so kurzen Zeit einen Boliden zu entwerfen und zu bauen, ist Teamgeist gefragt. Im Moment sind etwa 40 Studenten mit an Bord, drei Viertel davon von der TU, rund ein Viertel von der Hochschule. Auch einige Ehemalige halten dem Team weiterhin die Treue und helfen hin und wieder aus. „Wir kommen aus unterschiedlichen Fachbereichen. Viele studieren Maschinenbau, Informatik, Elektro- und Informationstechnik, aber auch Wirtschaftsingenieurwesen oder Architektur“, sagt Jauch, der im vierten Bachelorsemester Elektro- und Informationstechnik studiert.

Formula Student hat seinen Ursprung in den USA. Hier messen sich die studentischen Rennteams schon seit den 1980er Jahren, bis der Rennzirkus 1999 auch erstmals im englischen Silverstone gastierte. Die größte Veranstaltung der Rennserie findet mittlerweile in Hockenheim statt. „Hier treten die meisten Teams an“, sagt Jauch. In diesem Jahr gehen 115 Teams aus 34 Nationen an den Start.

Der Wettbewerb besteht aber nicht nur aus Rennen, bei denen die Teams überzeugen müssen, sondern sie müssen auch mit Konstruktions- und Wirtschaftswissen punkten. Es gibt eine ganze Reihe von Disziplinen, bei denen sie antreten. Es geht zum Beispiel um die Präsentation des Cost Reports, eine genaue Aufstellung der einzelnen Bauteile, Arbeitsschritte und Kosten. Außerdem erfolgt eine technische Abnahme der Jury, bevor das Auto auf die Strecke darf. Auch diese Teile fließen mit in die Bewertung ein, aber auch die Leistung auf der Rennbahn zählt. Hierbei gilt es in vier Disziplinen zu punkten. Dabei müssen je zwei Fahrer antreten. Zunächst müssen sie aus dem Stand beschleunigen und 75 Meter fahren. Jeder Fahrer hat dabei zwei Versuche. Im Anschluss müssen sie zweimal eine liegende Acht auf nasser Straße fahren. Die Strecke ist markiert und vorgegeben. Es folgt die Kategorie „Autocross“, bei sie den Wagen möglichst schnell über den rund ein Kilometer langen Parcours mit Hindernissen fahren müssen. Auch hier haben beide Fahrer wieder zwei Versuche. Zum Abschluss geht es auf die Langstrecke. Auf 22 Kilometern wird dem Boliden alles abverlangt. Nach elf Kilometern erfolgt ein Fahrerwechsel. „In den Niederlanden in Assen auf dem TT Circuit waren wir eines von sechs Teams, die ins Ziel gekommen sind. Insgesamt sind 31 gestartet. Wir sind auf Sicherheit gefahren, damit die Akkus nicht überhitzen.“

Die Planungen für die nächste Saison starten schon im Wintersemester. In acht Gruppen arbeiten die Studenten unter anderem am Fahrwerk, Akku, Aerodynamik oder auch an der Elektronik. Außerdem gibt es ein Marketingteam, das etwa Kontakte zu potentiellen Sponsoren knüpft, aber auch die Facebook- und Instagram-Seiten pflegt. Etwa bis Januar entwickeln Jauch und seine Mitstreiter ihren neuen Boliden, bis ungefähr in den Mai hinein wird der Einsitzer dann fertiggestellt, worauf in den Wochen danach die Testphase ansteht, in der die Studenten den letzten Feinschliff anlegen und ihren Wagen testen. Beim Rollout am 9. Juni in der Aula der Hochschule haben sie schließlich den Wagen für diese Saison der Öffentlichkeit vorgestellt. Der neue Flitzer wiegt rund 190 Kilo, fährt in der Spitze bis zu 120 Stundenkilometer und beschleunigt in circa drei Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer.

Wer bei KaRaT mitmacht, muss bereit sein, Zeit zu investieren. „Das Arbeitspensum ist schon groß. Die ein oder anderen Nächte haben wir durchgearbeitet, um fertig zu werden“, erzählt Jauch.

Auch bei den meisten Unternehmen aus der Automobilindustrie führt der studentische Wettbewerb längst kein Schattendasein mehr: Viele Sponsoren unterstützen die Teams oder bieten auch Seminare oder Fahrtrainings an, um sich notwendige Kenntnisse anzueignen. So können die Teams schon früh Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern knüpfen. Generell lohnt sich die Teilnahme an der Formula Student. „Es gibt schon Unternehmen, die bei der Online-Bewerbungen fragen, ob man am Wettbewerb mitgemacht hat“, nennt Jauch als Beispiel.

Nun steht erst einmal der Wettbewerb in Hockenheim an. Darauf freut sich das Team schon. „Es ist auch schön in den Garagen der Boxengasse zu stehen, wie etwa die Formel1-Teams“, so der 21-jährige Studenten weiter. Danach folgt zum Ende noch der Start in Spanien. Für die Logistik bedeutet dies noch einiges an Arbeit, denn der Rennwagen und das Team müssen dazu nach Barcelona. „Ein Sponsor stellt uns einen Transporter und ein Auto. Da sind wir sehr dankbar.“

Und nach dem Ende dieser Saison stehen ab Herbst wieder die ersten Überlegungen zum Boliden für die neue Saison an. „Wer bei uns mitmachen möchte, kann sich gerne melden“, so Jauch. „Wir brauchen sicherlich Unterstützung.“

 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 02.08.2017 von
Melanie Löw