© Thomas Koziel
Augmented Reality in der Projektarbeit:

Diabetesprävention im Klassenzimmer

Von Unispectrum live
1.981K Views | 0 Notes
Wie kann man Schüler dazu bringen, sich mit Diabetes auseinanderzusetzen? Damit haben sich die Lehramtsstudentinnen Annabell Schüßler und Julia Weber in einer Projektarbeit beschäftigt und ein Konzept entwickelt, das sie auf einem Poster vorgestellt haben. Dabei haben sie auch Augmented Reality-Elemente genutzt, um Lesern auf ihrem Smartphone weitere Informationen anzubieten.

Diabetes zählt in Deutschland schon lange zu den Volkskrankheiten. Auch weltweit sind laut der Vereinten Nationen über 415 Millionen Menschen daran erkrankt. Die Zahlen dürften in den kommenden Jahren drastisch ansteigen. Dabei unterscheiden Mediziner zwischen zwei Formen dieser Zuckerkrankheit. Bei Diabetes-Typ-1 kann der Körper kein eigenes Insulin produzieren, das benötigt wird, um den Zucker im Blut in die Zellen zu transportieren. Die zweite Form von Diabetes entsteht neben einer genetischen Disposition aufgrund eines ungesunden Lebensstils. Zu wenig Bewegung und zu fettes und zuckerhaltiges Essen führen zu Störungen im Stoffwechsel. Die Folge ist ein Zuviel an Zucker im Blut. Langfristig schädigt dies die Blutgefäße und auch viele Organe werden in Mitleidenschaft gezogen.

Um im Schulunterricht nachhaltig auf das Thema aufmerksam zu machen, haben sich Annabell Schüßler und Julia Weber im Rahmen einer Projektarbeit bei Professor Dr. Michael Fröhlich in der Sportwissenschaft überlegt, wie sich Schülerinnen und Schüler nachhaltig mit Diabetes und der Prävention auseinanderzusetzen könnten. „Unser Konzept setzt auf Methoden der konstruktivistischen Lerntheorie“, sagt Julia Weber, die wie Annabell Schüßler Biologie und Sport auf Lehramt studiert und bald ihre Masterarbeit beginnen wird. „Sie besagt, dass problemorientiertes Lernen im Rahmen eines interdisziplinären Projektunterrichts zielführender ist als zum Beispiel bei derzeit üblichen Prävention-Vorträgen, bei denen die Jugendlichen sich nicht selber einbringen.“ Wenn sie sich selber mit einem Problem auseinandersetzen müssten, seien sie viel mehr bemüht, Lösungen zu finden. Zudem können sie das Erlernte auf diese Weise besser behalten.

In ihrem Konzept schlagen die beiden Studentinnen vor, dass die Schüler selber ihre Blutzuckerwerte beobachten sollen. Mit Teststreifen, Lanzetten und einem Blutzuckermessgerät ist es zum Beispiel einfach, die Werte schnell zu ermitteln. „Die Schüler können überprüfen, welche Nahrungsmittel den Blutzucker besonders ansteigen lassen“, so Annabell Schüßler weiter. „Sie lernen dabei, dass etwa Gemüse und Vollkornbrot gesünder sind als Süßigkeiten.“ Auch dass Sport hilft, den Zuckerspiegel zu senken, können sie im Unterricht selber testen. „Die Schüler können etwa in Gruppen überlegen, wie sie das Problem angehen wollen und sich etwa eigene Versuchsreihen überlegen“, so Weber. Das Konzept eigne sich besonders für einen fächerübergreifenden Unterricht in Biologie und Sport.

Ihre Projektarbeit zur Diabetesprävention in der Schule haben Schüßler und Weber kürzlich vorgestellt. Gemeinsam mit weiteren Kommilitonen, die ihre Arbeiten gezeigt haben, haben die angehenden Lehrerinnen ein Poster angefertigt, auf dem sie ihr Konzept genau erläutern. „Solche Projekte haben den Vorteil, dass man wissenschaftliches Arbeiten anhand eines authentischen Themas kennenlernt“, sagt Schüßler.

Bei der Arbeit hat auch die Augmented Reality, also die erweiterte Realität, eine große Rolle gespielt. Liest sich jemand das Poster der beiden Studentinnen durch, kann er Zusatzinformationen mit Hilfe seines Smartphones einblenden. „Wir haben Augmented Reality Elemente genutzt, um bei einigen Punkten tiefer ins Detail gehen zu können“, so Weber weiter. Zum Beispiel haben sie eine Ernährungspyramide eingeblendet, die anzeigt, welche Nahrungsmittel man in welcher Menge zu sich nehmen sollte. „Bei unseren Diagrammen gibt es zudem die Möglichkeit, sich die Blutzuckermesswerte in Tabellen anzuschauen. Dafür war auf dem Poster nicht ausreichen Platz“, ergänzt Schüßler. Des Weiteren haben sie eine Tabelle zum glykämischen Index eingebaut. Dieser Wert gibt an, wie stark ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt.

Die TU Kaiserslautern setzt diese Technik, bei der reale und virtuelle Welt verschmelzen, zunehmend in der Forschung, aber auch in der Lehre ein – so können sich junge Menschen schon während des Studiums mit der Technik vertraut machen. So wie Annabell Schüßler und Julia Weber es gemeinsam mit ihren Kommilitonen es für ihre Projektarbeit in der Sportwissenschaft getan haben.

 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 16.01.2017 von
Melanie Löw