Zentrum für Lehrerbildung

Ein Kinoabend mit dem ZfL

Von Unispectrum live
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Am Montag, den 22.Mai 2017, organisierte das Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) für Lehramtsstudierende der TUK eine kostenlose Vorführung des Films „Zwischen den Stühlen“ im Union-Kino in Kaiserslautern. Der preisgekrönte Dokumentarfilm von Jakob Schmidt begleitet drei Referendar*innen (Grundschule, Gymnasium und Gesamtschule) auf ihrem Weg zum Examen. Um in Deutschland Lehrer*in zu werden, muss nach dem Studium noch ein Referendariat/Vorbereitungsdienst absolviert werden. Eine Feuerprobe, welche die angehenden Lehrer*innen in eine widersprüchliche Position bringt: Sie lehren, während sie selbst noch lernen. Sie vergeben Noten, während sie ihrerseits benotet werden. Zwischen Problemschüler*innen, Elternabenden und Prüfungsängsten werden die Ideale der Anwärter*innen auf eine harte Probe gestellt. Der Film stieß auf sehr großes Interesse und wir freuen uns, dass über 70 Studierende den Film sehen konnten!

Wir haben nach dem Film eine Lehramtsstudentin (LS) zu ihren Eindrücken befragt:

ZfL: Wie hat dir der Film insgesamt gefallen?

LS: Der Film hat mir insgesamt sehr gut gefallen, da er einen umfangreichen Einblick in den Alltag der drei Referendare gegeben hat. Leider wurde kein Referendar der Berufsbildenden Schule gezeigt, was ich als Studierende für Berufsbildende Schulen natürlich schade fand. Dennoch war es interessant zu sehen, mit welchen Problemen die Referendare an den unterschiedlichen Schulformen zu kämpfen hatten. Zwischen den Stühlen ist meiner Meinung nach nicht nur für angehende oder fertig ausgebildete Lehrkräfte interessant, sondern für die Allgemeinheit. Insbesondere natürlich für Eltern von schulpflichtigen Kindern, denn im Alltag bekommt man öfter die Vorurteile gegenüber Lehrerinnen und Lehrern mit. Sogar an der Universität werden die Lehramtsstudierenden belächelt. Kommentare wie „Wer nicht weiß, was er werden will, studiert Lehramt“ oder „Lehrer haben so viel Freizeit/Urlaub“ hört man im Studium häufiger. Der Film ist eine gute Möglichkeit, um diesen festgefahrenen Meinungen entgegenzuwirken. Denn dort wird gezeigt, wie es in den Klassenzimmern wirklich zugeht und welchen Belastungen Lehrpersonen entgegentreten müssen. Zu den Aufgaben eines Lehrers gehört weitaus mehr als nur Inhalte zu „vermitteln“. Man muss Lerngelegenheiten schaffen, differenzieren, motivieren, beraten, Werte vorleben, die Kompetenzentwicklung fördern, die Stärken der einzelnen Lernenden finden und fördern, Konflikte schlichten, Leistungen bewerten und vieles mehr. Wenn man den Anspruch hat, diese Aufgaben bestmöglich zu erfüllen, dann ist klar, dass nach dem Unterricht viele Stunden Vorbereitung auf einen warten. Dazu kommen unter anderem noch Konferenzen, Elterngespräche oder auch Gespräche mit Ausbildungsbetrieben und dem Kollegium. Dies wird durch den Film teilweise verdeutlicht.

ZfL: Gab es eine Szene, die dich besonders beeindruckt hat oder dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

LS: Ja. In einer Szene sieht man den Referendar (Gymnasium) in einem Elterngespräch für das Fach Deutsch. Dabei steht ihm eine Mutter gegenüber, die sich über die Auswahl der Deutschlektüre beschwert. Ihrer Meinung nach sei das Buch viel zu anspruchsvoll für die Jahrgangsstufe ihres Kindes. Der Referendar war von dieser Aussage irritiert und konnte die Auswahl der Lektüre zunächst nicht verteidigen. Unabhängig davon, wie die Auswahl des Buches zustande kam - ob der Referendar das Buch alleine ausgewählt hat oder dieses durch das Fachkollegium ausgewählt wurde -, sollte man davon ausgehen, dass die Lektüre aus bestimmten Gründen ausgewählt wurde. Doch manche Eltern fragen nicht nach den Gründen für die Auswahl der Lektüre. Bei dieser Szene habe ich mich gefragt, welche Kompetenz die Mutter hat, um beurteilen zu können, ob die Auswahl des Referendars bzw. des Kollegiums falsch ist. Da stellt sich mir die Frage, wie Schülerinnen und Schüler an anspruchsvolle Literatur gewöhnt werden können, wenn diese nicht zum Einsatz gebracht werden darf, da sie vermeintlich zu schwer ist?

ZfL: Hat dich der Film zu Diskussionen/Gesprächen mit deinen Kommilitonen angeregt?

LS: Ja, ich habe im Anschluss mit einer Freundin viel über den Film bzw. genauer gesagt über die einzelnen Referendare gesprochen. Besonders fasziniert hat uns die Einstellung der Grundschulreferendarin, da sie mehrfach betonte, dass sie ungern autoritär vor den Schülerinnen und Schülern auftreten will. Diese Aussage hat uns sehr verwundert, da wir eine andere Meinung zu diesem Thema haben. Meiner Meinung nach, muss man eine gewisse Autorität ausstrahlen, damit man als Lehrperson akzeptiert wird und die Schülerinnen und Schüler nicht „auf den Tischen tanzen“. Darunter verstehe ich, dass die Lehrperson zunächst als Autoritäts- und Respektperson auftreten muss. Es ist nicht das Ziel eines Lehrers, sich mit den Kindern und Jugendlichen anzufreunden. Ich denke, darauf muss man besonders in der Anfangszeit achten. Die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer ist es, jungen Menschen eine Zukunft zu ermöglichen, indem ihnen nicht nur Inhalte nahe gebracht, sondern auch Werte und gesellschaftliche Normen vorgelebt werden. Und um dies zu erreichen muss man auch mal streng sein. Dann kommt es auch vor, dass einen die Schülerinnen und Schüler nicht mögen. Aber wie gesagt, das ist für mich nicht der Sinn und Zweck des Lehrerdaseins. Solange meine Schülerinnen und Schüler etwas lernen und sich auf das Berufsleben vorbereiten können, habe ich meinen Job erledigt. Aus diesem Grund waren wir über die Einstellung der Referendarin sehr verwundert. Jedoch hat uns eine andere Sache an dieser Referendarin gut gefallen. Um an ihrem Auftreten zu arbeiten, hatte sie die Bereitschaft Schauspielunterricht zu nehmen. Dadurch wurde die Referendarin sowohl in ihrem verbalen Auftreten, der Gestik als auch in der Körperhaltung nachhaltig sicherer. Man konnte beobachten, wie der Schauspielunterricht Wirkung zeigte. Im Rahmen meiner Masterarbeit bin ich auf zwei Theorien zu Lehrerpersönlichkeiten gestoßen. Dabei sagt eine Theorie aus, dass man gewisse Charaktereigenschaften mit in den Beruf bringen muss, um „gut“ und „erfolgreich“ im Lehrerberuf werden zu können. Dabei wird eigentlich gesagt, dass man Lehrer-Sein nicht lernen kann. Die andere Theorie geht davon aus, dass man das Unterrichten lernen kann bzw. muss und die Charaktereigenschaften nicht so wichtig sind. Beide Ansätze finde ich sehr interessant und meiner Meinung nach ist eine Mischung aus beiden Aussagen zutreffend. Manche Charaktereigenschaften sind wünschenswert für angehende Lehrpersonen, da es dadurch für sie einfacher wird vor der Klasse zu stehen, z.B. extrovertierte und gesellige Personen werden vermutlich einfacher in Kontakt mit Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen sowie Eltern kommen. Das Unterrichten selbst - Stichpunkt Methodik und Didaktik - sind erlernbar und vom Charakter unabhängig. Im Zusammenhang damit fand ich den Schauspielunterricht der Grundschulreferendarin sehr gut, da dadurch verdeutlicht wurde, dass auch zurückhaltende Personen trotzdem den Berufswunsch „Lehrer“ nicht aufgeben sollten und eine Chance haben, in diese Aufgabe hineinzuwachsen.

ZfL: Wie blickst du jetzt auf dein eigenes bevorstehendes Referendariat?

LS: Ich blicke mit sehr großer Spannung, aber auch mit viel Respekt auf das Referendariat. Als angehende Berufsschullehrerin kann ich in verschiedenen Ausbildungsberufen eingesetzt werden. Auf diese Vielzahl der Ausbildungsberufe kann im Studium nicht vorbereitet werden. Je nach Vertiefungsrichtung hat man zwar tendenziell die Inhalte mancher Berufe abgedeckt, jedoch sind diese meiner Meinung nach viel zu theoretisch und oftmals zu tief in der Materie verankert, sodass die notwendigen Grundlagen nur geringfügig abgedeckt werden. Daher kann es sein, dass ich in Ausbildungsberufen eingesetzt werde, in die ich mich vollständig einarbeiten muss. Dementsprechend werde ich die Zeit zwischen meinem Hochschulabschluss und dem Referendariat dazu nutzen, um Praktika in verschiedenen Betrieben zu machen. Als Referendarin in einem berufsbildenden Fach hat man jedoch den Vorteil, dass man in den ersten Wochen des Vorbereitungsdienstes zunächst im Unterricht anderer Fachlehrer hospitiert. Der eigene Unterricht fängt erst danach an. So hat man Zeit, sich in die einzelnen Ausbildungsberufe einzuarbeiten. Diese Regelung ist sehr beruhigend. Aber abgesehen davon ist das Referendariat stark von dem Kollegium und von den Fachleiterinnen und Fachleitern abhängig. Daher bin ich schon sehr gespannt an welchem Studienseminar und welcher Schule ich den Vorbereitungsdienst absolvieren kann.

Mehr Informationen zum Film: http://www.zwischendenstuehlen-film.de/#home

Wenn ihr uns auch eure Eindrücke zum Film mitteilen wollt, schreibt uns gerne auf facebook (https://www.facebook.com/ZfL.TUKaiserslautern/) oder an info@zfl.uni-kl.de

Bild des Benutzers Antonia Bauschke
Erstellt
am 21.06.2017 von
Antonia Bauschke