Bereichsfach Naturwissenschaften

Interdisziplinäre Lehrveranstaltungen bereiten Lehramtsstudierende auf ihren zukünftigen Unterricht vor

Von Unispectrum live
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In Rheinland-Pfalz wird seit 2010 das Bereichsfach Naturwissenschaften (NaWi) für die Klassen 5 und 6 angeboten, das sich vor allem aus Biologie, Chemie und Physik zusammensetzt. Da die Lehramtsstudierenden nicht in allen drei Naturwissenschaften ausgebildet werden, müssen sie einen großen Teil dieses Unterrichts fachfremd unterrichten. An der TU Kaiserslautern werden deshalb spezielle Veranstaltungen für NaWi angeboten, um die Lehramtsstudierenden auf ihre zukünftige Tätigkeit vorzubereiten. Antonia Bauschke vom Zentrum für Lehrerbildung hat mit einer Studentin und einem Studenten über ihre Erfahrungen mit NaWi gesprochen.

Antonia Bauschke: Welche Fächer studieren Sie?
Madeleine S.: Ich studiere Chemie und Biologie.
Daniel S.: Ich studiere Chemie und Geografie.

AB: Warum haben Sie sich für die NaWi-Veranstaltung entschieden?
MS: Das lief ein bisschen über Mundpropaganda, es gab mehrere Studenten, die mir die Veranstaltung empfohlen haben. Mit meiner Fächerkombination werde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit einmal NaWi unterrichten und Physik hatte ich in der Schule schon früh abgewählt, deshalb wollte ich mir anschauen, wie z.B. dieser neue Lehrplan umgesetzt werden soll.
DS: Hauptsächlich wegen der fachlichen Überschneidungen, weil sich diese beiden Fächer ganz gut ergänzen und vor allem deswegen, weil das Fach NaWi hier in Rheinland Pfalz für die Klassen 5 und 6 angeboten wird und somit wirklich Relevanz und einen Lehramtsbezug hat. Im Verlauf der Veranstaltung hat man gemerkt, wie die einzelnen Naturwissenschaften sich überschneiden, die Geografie auch in gewissen Teilen, und dass es Sinn macht, die Themen fächerübergreifend anzugehen. Man nimmt einfach einen gewissen Input mit.

AB: Wie haben Sie sich die Arbeit in den für Sie fremden Fächern vorgestellt? Hatten Sie eine Vorstellung, die sich dann bestätigt hat oder hat sich das verändert im Laufe der Veranstaltung?
MS: Meine Erwartung war, das Schulwissen noch einmal aufzufrischen. Ich habe wie gesagt Physik relativ früh abgewählt und das war so das Fach, in dem ich mich auch nicht sicher gefühlt hätte, es zu unterrichten. In der Veranstaltung wurde das gut aufgearbeitet und ich habe fachlich viel gelernt. Meine Erwartung wurde da eher bestätigt. Am Anfang hatte ich etwas Bedenken, wie hoch das Niveau sein wird, aber es wurde sehr ansprechend gestaltet und durch die Praxis immer wieder aufgearbeitet und wiederholt. Außerdem gab es ja ein paar Physik-Experten in der Veranstaltung.
DS: Meine Vorstellung hat sich bestätigt. Biologie hatte ich in der Oberstufe noch bis zum Abi, deshalb hatte ich ein bisschen mehr Vorwissen. Aber selbst beim Physikanteil war noch relativ viel Wissen da. Die Dozenten haben auch zur Mitarbeit angeregt und es wurden sehr viele Fragen von Studierenden ausgehend innerhalb des Seminars gestellt, deshalb war es sehr lebendig.

AB: Gab es denn Bestandteile in der Lehrveranstaltung, die Ihnen besonders gefallen haben oder die Sie hilfreich fanden?
MS: Ja, durchaus. Zum Beispiel hat mir gefallen, dass man fachlich wiederholt hat, was wirklich schulrelevant ist. Die meisten Vorlesungen sind ja so nicht ausgelegt. Und es war interessant, mal einen Arbeitsplan von verschiedenen Schulen zu sehen, also wie sie das gestalten, welche Themen sie bevorzugen. Hilfreich waren natürlich auch die Materialien, die man an die Hand bekam. Ich habe jetzt auch einen Ordner, von dem kann ich später im Berufsleben noch profitieren. Sehr interessant war auch das Modul 2a, in dem wir viel praktisch gemacht haben.
DS: Ja, vor allem die Praxisphase fand ich hilfreich. Im physikalischen Teil haben wir z.B. Stromkreise gebaut und im Biologieteil haben wir einmal Organe seziert. Die wirklich mal praktische Durchführung hat das Ganze extrem aufgewertet. Da sind ganz viele Ideen entstanden, vor allem zu kleinen Experimenten, die man so auch in der Schule umsetzen kann.

AB: Und gab es etwas, das Ihnen noch gefehlt hat, was in die Veranstaltung aufgenommen werden sollte?
MS: Nein, soweit eigentlich nicht. Ein bisschen schade war, dass ich das Modul 2b nicht machen konnte. Das hätte ich gerne noch gemacht, vor allem wegen der Umsetzung und dem Kontakt mit den Schülern, aber das ließ mein Stundenplan bzw. Semesterplan nicht zu, weil sich viel mit Chemie und den ganzen Praktika, die wir dort im Labor ableisten müssen, überschnitten hat.
DS: Also die Veranstaltung hat sich an Themenfeldern orientiert und für mich persönlich kam der Geografieanteil ein bisschen zu wenig heraus, z.B. im Themenfeld zu den Jahreszeiten. Das hätte ich mir etwas stärker gewünscht. Aber ansonsten war die Struktur in Ordnung, vor allem aus meiner Sicht als Chemiker natürlich, da der Biologie- und Physikanteil hoch war.

AB: Wie haben Sie die interdisziplinäre Arbeit empfunden, also mit den Studenten aus den anderen Fächern? Gab es da Herausforderungen oder auch Schwierigkeiten oder hat das ganz gut geklappt?
MS: Ich denke im Großen und Ganzen hat das gut geklappt. Dadurch, dass ich schon zwei Fächer abdecke, war mir das Meiste schon geläufig, aber gerade, wenn ich an Physik denke, war dort eine ganz angenehme Atmosphäre und es hat Spaß gemacht, die Themen zusammen zu erarbeiten. Es war außerdem interessant zu sehen, welche Vorstellungen z.B. der Physikstudent von dem Biologiebereich hat.
DS: Insgesamt hat es überwiegend gut geklappt. Das lag vielleicht auch daran, dass wir die meisten Studenten gekannt haben, also man wusste aus anderen Veranstaltungen wie die Zusammenarbeit läuft und das hat dann natürlich gewisse Vorteile gebracht. Die Biologen haben uns etwas mehr im Biologieteil geholfen. Die Physiker waren vor allem beim Stromkreis oder bei der Mechanik die Expertengruppe und haben unsere Arbeiten bestätigt oder noch ergänzt. Die Gruppe war außerdem relativ klein war, ich glaube wir waren nur 12 oder 13 Leute, deshalb gab es einen guten Austausch.

AB: Wenn Sie jetzt an Ihre spätere Tätigkeit als Lehrerin bzw. Lehrer denken, fühlen Sie sich dann auf das Fach NaWi vorbereitet?
MS: Ja, durchaus. Also ich will jetzt nicht sagen, dass ich direkt den Unterricht meistere, aber ich habe durch die Veranstaltung viel in der Hinterhand, das ich nutzen kann. Es gibt viele schöne, spannende Themen, und ich freue mich vor allem auf die Praxis, also die Versuche. die man durchführen kann. Ich denke, da sind viele Materialien dabei und vor allem eine Grundstruktur, die mich darauf vorbereitet haben, was wirklich dran kommt und wie weit ich den Stoff herunterbrechen muss. Die Veranstaltung hat auf jeden Fall viel genützt.
DS: Auf NaWi auf jeden Fall. Natürlich konnte man die ganzen Themen nur ein bisschen anreißen, aber man weiß jetzt in etwa, was auf einen zukommt. Man hat jetzt schon einige Ideen, was man machen kann. Ich denke, es wird zwar noch sehr viel Arbeit sein, dann alles auszuarbeiten, aber man hat einen kleinen Einblick bekommen, das ist gut.

AB: Würden Sie denn die Veranstaltung anderen Lehramtsstudenten weiterempfehlen?
MS: Ja, auf jeden Fall. Die meisten, die meine Fächerkombination haben, haben mit Physik nichts am Hut, weil durch das Abitur in Rheinland-Pfalz ergibt sich ja schon, dass man nicht alle NaWi-Fächer abdecken kann. Außerdem habe ich in den Praktika schon viel Unterricht erlebt und dabei gesehen, wie manche Lehrer damit kämpfen, diesen Stoff aufzuarbeiten. Von daher finde ich es eine sehr gute Idee, dass man wirklich diese zwei Semester lang eine Einführung bekommt und damit auch ein Basic in der Hand hat.
DS: Ja, ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen. Also ich bin wirklich gerne zu der Veranstaltung gegangen, wie gesagt vor allem, weil der Nutzen im Vordergrund steht. Pluspunkte sind außerdem die enge Betreuung, der Theorie- und Praxisbezug und die lockere Atmosphäre. Irgendwie war es auch schade, als es vorbei war. Es war wirklich ungelogen eines der besten Seminare hier an der Uni. Der einzige Nachteil war der Freitagstermin, der viele abgeschreckt hat. Nicht nur unbedingt, weil es freitags mittags war, sondern vor allem, weil sich viele Überschneidungen ergeben haben, gerade beim Chemiepraktikum. Mich hat das zwar nicht betroffen, aber viele andere mussten dann ins Labor.

AB: Dann vielen Dank für das Interview.
MS: Gerne.
DS: Ja, gerne.

Mehr Informationen zum Bereichsfach Naturwissenschaften und den Veranstaltungen an der TU finden Sie unter:
http://www.uni-kl.de/zfl/fdz/fdz-umsetzung/bereichsfach-naturwissenschaf...
https://www.physik.uni-kl.de/kuhn/lehre/modulelehrveranstaltungen/bereic...

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Erstellt
am 14.11.2016 von
Antonia Bauschke