© Patricia Hammer
Deutsch-mexikanische Kooperation

Zum Forschen in die Heimat von Agaven, Burritos und Chapulines

Von Unispectrum live
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Die Ingenieurin Patricia Hammer war zu einem Forschungsaufenthalt in Mexiko. Sie erlebte ein farbenfrohes Land mit warmherzigen Menschen und lernte auch kulinarische Besonderheiten kennen.

Wer nach Mexiko reist, verbringt dort in der Regel seinen Urlaub – genießt Strand und Kultur des Landes. Ganz anders liegt der Fall bei Patricia Hammer. Die Kaiserslauterer Projektmitarbeiterin war von Februar bis März dieses Jahres zum Forschen im dem amerikanischen Land. Sie arbeitet bei Professorin Dr. Karina Pallagst im Lehrgebiet „Internationale Planungssysteme“. In einem deutsch-mexikanischen Projekt untersucht sie, wie sich nachhaltige Wirtschaftszweige der Bioökonomie auf innerstädtischen Brachflächen ansiedeln können. So sieht das Projekt auch einen Austausch zwischen den Beteiligten vor. Dies führte auch die junge Forscherin ins Land. Genauer gesagt verschlug es sie nach Guadalajara, wo Projektpartner Professor José Vargas-Hernández an der Universität forscht. Guadalajara hat rund 1,5 Millionen Einwohner und ist damit die zweitgrößte Stadt des Landes. Sie liegt im Westen Mexikos und ist bekannt für die landestypische Mariachi-Musik und gilt als Heimat des Tequilas, der aus Agaven gewonnen wird.

„So eine große Gastfreundschaft habe ich noch nie erlebt“, erzählt Hammer über ihren Aufenthalt. Sie ist beim Professor und seiner Familie untergekommen, die sie herzlich aufgenommen haben. „Sie haben sich viel Zeit genommen und mir auch die Stadt gezeigt, genauso wie die Studierenden an der Universität, die mich zum Beispiel mit zu einem Ausflug an den Chapala, den größten Sees Mexikos, genommen haben.“ Der See liegt rund 45 Kilometer von Guadalajara entfernt und erstreckt sich über 1.146 Quadratkilometer. Viele Einwohner der Stadt schätzen ihn für ihre Wochenendausflüge.

Anders als in Deutschland gibt es hier viele bewachte Wohnanlagen. Auch das Haus ihrer Gastfamilie befand sich in einer solchen. „Hier ist alles gesichert und es gibt einen Pförtner, der kontrolliert, wer auf die Anlage darf“, fährt sie fort. Alleine sei sie nie unterwegs gewesen, es sei denn, wenn sie zur Uni gegangen sei, die nur wenige Minuten fußläufig entfernt gewesen sei.

Hammer forscht im Rahmen des Projekts „The Role of Green Innovation Areas in Revitalizing German and Mexican Cities“ (GIAGEM). Mit ihren mexikanischen Forscherkollegen untersucht sie die Ansiedlung von nachhaltigen Industriezweigen, dazu zählen etwa die Nahrungsmittel- und Energieproduktion. Dank des Austauschs konnte sich Hammer auch ein besseres Bild davon machen, mit welcher Ausgangslage und welchen Fragestellungen die Projektpartner auf mexikanischer Seite konfrontiert sind. So hat sie sich in Guadalajara auch mit einem Mitarbeiter der Stadtverwaltung getroffen. Mit ihm sprach sie über die Wasserprobleme im Land, das immer noch mit Korruption zu kämpfen hat. Diese führt dazu, dass Abwässer direkt in Flüsse geleitet werden. Auf diese Weise ist das Trinkwasser oft verseucht. „Im Chapala-See etwa ist das Baden deshalb verboten“, erzählt sie.

Auch hatte sie Gelegenheit, sich Guachimontones, eine große Anlage von Terrassentempeln, die 250 vor Christi gebaut wurde, anzuschauen. Die ganze Region um diese archäologische Stätte samt Tequila-Brennereien gehört seit einigen Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe. „Das war schon sehr beeindruckend“, erinnert sich die junge Forscherin. Darüber hinaus hat ihr die Gastfamilie die Stadt Guadalajara näher gebracht. „Die Altstadt ist sehr schön herausgeputzt. Alles ist sehr farbenfroh. Es gibt viele Märkte, auf dem Händler Obst und Gemüse, aber auch Kunsthandwerk anbieten“, sagt sie. So habe sie auch die ein oder andere neue Frucht entdeckt, etwa Litschi-ähnliches Obst, das sehr süß und aromatisch geschmeckt hat. Aber auch Bekanntes kam hier besonders lecker daher, wie zum Beispiel frische Kokosnüsse. 

Ein kulinarisches Erlebnis der besonderen Art wird ihr noch lange in Erinnerung bleiben: Ihre Gastfamilie hatte ihr von einer einheimischen Spezialität erzählt: Den Chapulines. Das sind kleine getrocknete Heuschrecken. „Aber nicht jeder in Mexiko isst sie. Auf dem Märkten in der Stadt sind Stände, an denen sie angeboten werden, oftmals nur eine Touristenattraktion.“ Hammer hatte die Spezialität allerdings einmal in einem Gericht, als sie in einem Restaurant gegessen hatte. „Die Insekten waren klein gemahlen in einer Panade für Shrimps.“ Erst hinterher habe sie erfahren, was darin gewesen sei.

Die Sprache stellte für Hammer keine Hürde dar: Sie konnte bereits Spanisch und war froh, ihre Sprachkenntnisse wieder aufzufrischen. „Die Frau des Professors konnte zum Beispiel gar kein Englisch, sodass wir Spanisch reden mussten.“ Auch im Uni-Umfeld wurde wenig Englisch gesprochen. Das Gelernte pflegt sie – zurück in Deutschland – nun weiter. Sie besucht einen Sprachkurs und trifft sich einmal in der Woche mit einer spanischen Gaststudentin.

Im nächsten Jahr steht ein weiterer Aufenthalt in Mexiko an. Hammer freut sich bereits darauf und ist froh, dass sie im Rahmen ihrer Arbeit, eine solche Möglichkeit hat.

GIAGEM

Im deutsch-mexikanischen Projekt „The Role of Green Innovation Areas in Revitalizing German and Mexican Cities“, kurz GIAGEM, geht es unter anderem darum, wie sich nachhaltige Wirtschaftszweige der Bioökonomie auf innerstädtischen Brachflächen ansiedeln können. Mehr dazu unter www.uni-kl.de/giagem.

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 14.08.2017 von
Melanie Löw