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Ein Jahr „Center for Ethics and the Digital Society“ (CEDIS)
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Gesellschaftliche Fragen im Zeitalter der Digitalisierung

Im Rahmen einer Forschungsinitiative des Landes Rheinland-Pfalz wurde 2020 das „Center for Ethics and the Digital Society“ (CEDIS) an der TUK gegründet. Forschende aus Philosophie, Ethik, Informatik, Politikwissenschaft, Pädagogik, Kommunikationspsychologie, Linguistik, Technikfolgenabschätzung – und anderen gesellschaftlich relevanten Bereichen – haben sich zu diesem universitären Potenzialbereich zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie erarbeiten, wie sich digitale – insbesondere KI basierte – Technologien ethisch und gesellschaftlich vertretbar einsetzen lassen.

Von Unispectrum live • Christine Pauli

„Wir können auf ein produktives erstes Jahr zurückblicken und das trotz des corona-bedingten Ausnahmezustandes“, fasst Philosophie-Professorin Dr. Karen Joisten zusammen, die gleichzeitig Sprecherin von CEDIS ist. So habe der interdisziplinäre Zusammenschluss etwa seinen Mitgliederkreis um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Koblenz-Landau erweitern können. Karen Joisten: „Wir haben Arbeitskreise gebildet, haben Projekte auf den Weg gebracht und haben weitere Kooperationen begonnen – auch mit externen Partnern wie mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz oder dem Institut für Technologie und Arbeit.“

„Ohne Digitalisierung wäre das zurückliegende Corona-Jahr nicht meisterbar gewesen“ 

CEDIS ist ein Zusammenschluss von Forschenden, die sich insbesondere mit den Auswirkungen der Digitalisierung und neuen KI-basierten Technologien auf die Gesellschaft befasst. Welchen Einfluss die Digitalisierung auf die Gesellschaft hat, konnte eindrucksvoll das zurückliegende Corona-Jahr zeigen: „Ohne Digitalisierung wäre das letzte Jahr nicht meisterbar gewesen, und zwar auf allen Ebenen“, meint Karen Joisten. „Ich glaube gerade die pandemie-bedingte Ausnahmesituation hat noch einmal vor Augen geführt, wie sehr die Digitalisierung eine der brennendsten Fragen und Herausforderungen für die Gesellschaft ist. Und zwar im Blick auf die mit ihr verbundenen Chancen, ohne ihre möglichen Risiken dabei zu vernachlässigen.“ Das Jahr habe viele Vorteile der neuen Technologien gezeigt, „aber wir konnten alle erleben, dass sie eben nicht ein Allheilmittel sind.“ Laut Joisten haben die Menschen mehr denn je gemerkt, dass die neuen Technologien nicht in einem wertfreien Raum verortet sind, sondern immer ethische, politische und soziale Implikationen und Konsequenzen in sich tragen.“ Hier genauer hinzuschauen, blinde Flecken aufzudecken und so eine bewusste, kritisch reflexive und transparente Auseinandersetzung zwischen allen Beteiligten und Betroffenen zu ermöglichen, über ethisch gute Rahmenbedingen zu forschen, sei die Aufgabe, der sich CEDIS verpflichtet hat. 

Erste Projekte wurden auf den Weg gebracht

Was heißt das konkret? Welchen Themen widmet sich CEDIS aktuell? „Neben einer Reihe von gemeinsamen Publikationen wie auch Vorträgen, die bald auf der Homepage des CEDIS öffentlich gemacht werden, haben wir eine Vielzahl von Projektanträgen auf den Weg gebracht“, berichtet Karen Joisten. Einige seien schon bewilligt, über weitere werde demnächst entschieden. „Bereits begonnen hat das Projekt KI4TUK.“ In diesem Projekt stehe die Studieneingangsphase in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, also den sogenannten MINT-Fächern, im Mittelpunkt. „Die beteiligten Arbeitsgruppen entwickeln ein sogenanntes E-Portfolio. Dies ist eine Art digitale Sammelmappe, mit der Studierende unter anderem ihre Lernfortschritte individuell dokumentieren können.“ Die dabei anfallenden Daten sollen Verwendung finden, um das individuelle Lernen zu unterstützen. „Hier ist von unserer Seite die Ethik involviert, um ethische Leitlinien für den Einsatz des ePortfolios festzuhalten.“

Zudem stehe das Projekt: „Sustainable embedded AI“ in den Startlöchern. Dieses werde sich laut Joisten mit nachhaltiger Künstlicher Intelligenz und deren Praxistauglichkeit auseinandersetzen. Hintergrund des Projektes: In einer digitalen Gesellschaft steigt der Energiebedarf für Rechenleistungen von Jahr zu Jahr. Laut einer EU-Studie waren 2018 beispielsweise Rechenzentren für 2,7 Prozent des Stromverbrauchs in der Europäischen Union verantwortlich. Für 2030 könnte der Verbrauch demnach auf 3,2 Prozent anwachsen. Supercomputer und Rechenzentren benötigen immer mehr Strom, damit zum Beispiel KI-Verfahren riesige Datenberge durchforsten können. Das von der Zeiss-Stiftung mit fünf Millionen Euro geförderte Projekt soll dabei helfen, diesen Energiebedarf zu senken. So könnten Methoden des Maschinellen Lernens modifiziert werden, sodass weniger Rechenleistung notwendig ist – und damit CO2 eingespart wird. „Wir werden dabei die ethischen Gesichtspunkte untersuchen“, erklärt Karen Joisten. „Darüber hinaus haben wir im letzten Jahr mit Seminaren zu ethischen, wissenschaftstheoretischen, sozioinformatischen und politischen Aspekten der Digitalisierung begonnen, gerade auch im Blick auf Nachwuchsforscherinnen und -forscher“. 

Und wo soll die Reise des CEDIS in absehbarer Zeit hingehen? „Ziele der kommenden Jahre sind, das Aufgabenfeld des CEDIS inhaltlich und strukturbildend auszubauen. Und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu festigen.“ Das CEDIS nimmt Fahrt auf – genau wie die voranschreitende Digitalisierung.

 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 20.01.2022 von
Melanie Löw