© Foto: Ulrich Hefter
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Von Beginn an mit dabei und bis heute der Universität verbunden

Ulrich Hefter zählt zu den ersten Studierenden der Physik in der neugegründeten Universität Trier-Kaiserslautern und begann sein Studium im Wintersemester 1971/72. In einem Interview erzählt er uns von seiner Studienzeit, seinem Enthusiasmus für die Physik und seinem Beruf.

Von Unispectrum live • Yasmin Helfgen

Ulrich Hefters Interesse an der Physik manifestierte sich bereits während seiner Schulzeit. Als sein Lehrer Ende der 60er Jahre den Schülern einen Laser vorführte und die zugrundeliegende Technik erklärte, war er sofort von dieser Thematik fasziniert. „Schon früh wusste ich, dass ich Physik studieren und mich dem Themenbereich der Lasertechnologie widmen wollte“, sagt er.

Erste Berührungspunkte mit der Universität hatte Hefter dann im Sommer 1971. Nach seinem Abitur in Ludwigshafen hörte er von der neugegründeten Universität in Kaiserslautern und beschloss, gemeinsam mit einem Schulfreund den Tag der offenen Tür zu besuchen. Dort angekommen schienen ihm die Mitarbeiter der Universität etwas überrascht über die Besucher, es sei mehr oder weniger improvisiert worden. Das schreckte Hefter aber nicht ab, sondern machte ihn im Gegenteil sogar neugierig. „An anderen Universitäten waren solche Veranstaltungen weitaus formeller. In Kaiserslautern war alles noch nicht so verkrustet, auch wegen der vielen neuen, jungen Professoren”, so der Physikabsolvent.

Deren Engagement begeisterte den Studenten auch während seines Studiums. „Wir Studierende konnten uns jederzeit mit Problemen oder Fragen an unsere Dozenten wenden. Immer standen die Türen für uns offen, man kannte sich dadurch untereinander”, erklärt er weiter. Die Vorlesungen fanden zunächst im Hörsaal der ehemaligen Pädagogischen Hochschule statt, die Übungen in den angrenzenden Laboren der Physik-AGs. Da es noch keine Besprechungszimmer oder Seminarräume gab, wurden vor jeder Übung einfach in den Laboren etwas Platz frei geräumt und die Seminare inmitten der Apparaturen gehalten. „Trotz oder gerade wegen des improvisierten Lehrbetriebes empfand ich die Atmosphäre als sehr positiv, weil sie den unkomplizierten Kontakt zu den Professoren und Assistenten ermöglichte. Die Erfahrungen meiner Freunde an anderen Universitäten waren da ganz anders”, so Hefter. Dadurch und aufgrund der überschaubaren Studentenzahlen von ca. 60 Erstsemestern in der Physik sei ein intensives Studieren möglich gewesen und es sei ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl unter allen Beteiligten entstanden. „Die Studienzeit in Kaiserslautern möchte ich nicht missen“, resümiert der Alumnus.

Nach der Errichtung der ersten Gebäude des Aufbau- und Verfügungszentrums (AVZ) auf dem Campus der Universität 1971/72 bekam die Physik neue Räumlichkeiten. Die Raumsituation habe sich entspannt und es habe erstmals genügend Räume und Stühle für die Studierenden gegeben. „Tische und Tafeln gab es allerdings zunächst nicht. Zum Glück waren die Wände kunststoffbeschichtet und konnten als Ersatztafeln genutzt werden”, berichtet Hefter mit einem Lachen. 1976 schloss er schließlich sein Diplom bei Prof. Demtröder ab. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit dem Aufbau eines Farbstofflasers für die Laserspektroskopie. Eigentlich hatte er vor, im Anschluss erst einmal ein Jahr zu pausieren. Ihm bot sich aber die Möglichkeit, bei Professor Bergmann zu promovieren, mit dem er bereits während seiner Diplomarbeit zusammengearbeitet hatte. So untersuchte er in seiner Doktorarbeit die inelastische Streuung von Natrium-Molekülen an Edelgasatomen. Er erforschte quantenmechanische Phänomene, die sich im Verborgenen von Apparaturen abspielen, die aber auch in ähnlicher Form in der Natur zu beobachten sind, wie z.B. Regenbögen oder Effekte der Lichtbrechung an Eiskristallen, sogenannte Halos. Dabei brachte er auch viele Nächte in den Laboren der Universität zu, um sich bei genügend Ruhe auf die Versuche konzentrieren zu können. Während seiner Promotion unterstützte er im Jahr 1977 beim Umzug der Physik in Gebäude 46, wo diese auch heute noch ihren Platz hat. Nach Abschluss der Promotion 1981 ging Hefter als Postdoc für 14 Monate nach Amerika ans Joint Institute for Laboratory Astrophysics (JILA), dem physikalischen Forschungsinstitut der University of Colorado in Boulder. Sein Weg führte ihn danach noch einmal für fast 2 Jahre nach Kaiserslautern, wo er als Assistent in der AG Bergmann tätig war und sich über seine Zukunftspläne klarwerden wollte.

Da in der Forschung viele Stellen Anfang der 70er Jahre erst neu besetzt worden waren und für Hefter befristete Arbeitsverträge nicht interessant waren, entschloss er sich für eine Karriere in der Industrie. Sein Ziel war die Laserindustrie, wo ihn seine lang gehegte Faszination für Lasertechnologien hinführte. So begann er 1984 in München bei der Laser Optronic GmbH (ab 1989 ROFIN Sinar Laser GmbH) zu arbeiten, ein Unternehmen, das industrielle Festkörperlaser und Lasersysteme entwickelt. Dort war er zunächst Entwicklungsleiter, dann technischer Direktor und schließlich bis zu seinem Ruhestand 2018 Geschäftsführer. Nach über zehn Jahren an der Universität folgten also „fast 35 Jahre Vollgas in der Industrie”, so Hefter. Er kümmerte sich zunächst um die Entwicklung und die Technologieberatung und war ab 2001 als Mitgeschäftsführer und CTO für rund 1.500 Mitarbeiter zuständig. Durch ROFINs weltweite Präsenz mit Hauptstandorten in Hamburg und München, Niederlassungen in fast allen europäischen Ländern sowie Dienstreisen nach Nordamerika, China und Südostasien reiste er 20 Jahre lang fast jede Woche mit dem Flugzeug und konnte neben seiner Arbeit viel von der Welt sehen. Eine Zeit, auf die er gerne zurückblickt. Auf Lasermessen und Kongressen traf er dabei auch immer mal wieder auf frühere Mitstudierende.

Seinen wohlverdienten Ruhestand verbringt Ulrich Hefter in Oberbayern, wo er gerne weiterhin aktiv unterwegs ist, zum Beispiel beim Golfspielen. Auch nach Kaiserslautern kommt er hin und wieder, um Freunde zu treffen oder seiner Alma Mater einen Besuch abzustatten – wie beim Akademischen Festakt zum 50. Jubiläum der Universität im Januar 2020. 

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Erstellt
am 07.05.2020 von
TU Admin