© JP Danner-Schröder
Juniorprofessorin erforscht Katastropheneinsätze

Rettungskräfte trainieren für den Ernstfall

Von Unispectrum live
168 Views | 0 Notes
Blaulicht, Sirenen, viele Verletzte – was Ende April im Fritz-Walter-Stadion zunächst wie ein Terroranschlag oder ein Unglück aussah, war eine groß angelegte Katastrophenübung verschiedener Einsatz- und Rettungskräfte. Vor Ort waren auch Freiwillige der TUK und das Team um Juniorprofessorin Anja Danner-Schröder, das erforscht, wie sich Rettungskräfte im Ernstfall organisieren.

Bei Katastrophen wie Zugunglücken, Massenpaniken oder terroristischen Anschlägen ist die Lage vor Ort meist unklar: Verletzte müssen etwa versorgt und in Krankenhäuser gebracht, Todesopfer geborgen und identifiziert werden. Bei einem Anschlag muss die Polizei die Umgebung sichern und mögliche Täter schnell dingfest machen, bei einem Brand muss die Feuerwehr die Lage unter Kontrolle bringen. Solche Ereignisse haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass einzelne Organisationen wie Polizei, Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Technisches Hilfswerk und andere Einsatzkräfte nicht mehr alleine vor Ort, sondern in großem Umfang auf Kooperationen und Zusammenarbeiten angewiesen sind.

An der TUK beschäftigt sich die Wirtschaftswissenschaftlerin Anja Danner-Schröder, die die Juniorprofessur für Management Studies innehat, mit diesem Thema. Sie geht der Frage nach, wie eine Vielzahl von Organisationen bei Großschadenslagen zusammenarbeitet. „Dabei ist es wichtig, sich nicht nur auf die Leitungsebene zu konzentrieren, sondern sich direkt am Einsatzort die Zusammenarbeit anzusehen“, erläutert Juniorprofessorin Danner-Schröder.

© TUK/FB Wiwis

An Einsatzorten haben wir schon oft beobachtet, dass die Zusammenarbeit an der Schnittstelle viele Nachfragen und Klärungsbedarf aufwirft, die im Ernstfall viel Zeit kosten.

Juniorprofessorin Anja Danner-Schröder

Dabei gilt: Jede Organisation hat ihre eigenen Routinen, Prozesse, Sprache und Kultur. „Diese eingeübten Strukturen helfen den einzelnen Organisationen, im Einsatzfall schnell und effizient zu arbeiten“, fährt sie fort. Gerade aber in der Kooperation mit anderen Beteiligten können genau diese Strukturen zu Problemen führen, da andere Prozesse genutzt werden, die nicht reibungslos ineinandergreifen oder schlicht andere organisationsinterne Sprachen gesprochen werden. „An Einsatzorten haben wir schon oft beobachtet, dass die Zusammenarbeit an der Schnittstelle viele Nachfragen und Klärungsbedarf aufwirft, die im Ernstfall viel Zeit kosten“, erklärt die Juniorprofessorin.

Um sich genau diese Schnittstellen zwischen Organisationen genauer anzusehen, hat Danner-Schröder mit ihrem Team an der Katastrophenschutzübung in Kaiserslautern Ende April teilgenommen: Simuliert wurde hierbei ein Ereignis mit mehreren Verletzten im Fritz-Walter-Stadion. Die Einsatzlage gab eine Explosion an einem Imbissstand in der Südtribüne vor – die mit einem heftigem Knall und einem Feuerball einherging. Zunächst war unklar, ob es sich um einen Anschlag handelt.

Nach kurzer Zeit konnte dies aber von der Polizei ausgeschlossen werden. Die Versorgung der Verletzten konnte starten: Sanitäter, Notärzte, Polizei und Ordner des Vereins übernahmen die Erstversorgung. „Dabei wurden die Verletzten in drei Kategorien eingestuft“, erläutert die Forscherin, „rote für sehr schwer verletzt, gelb für schwer verletzt und grün für leicht verletzt.“ Entsprechend ihrer Kategorisierung wurden sie anschließend ins Westpfalz-Klinikum transportiert, um sie dort weiter zu versorgen.

Das Trainieren und Üben solcher Szenarien ist ein wichtiges Mittel, um Abläufe, Routinen und Aufgabenverteilungen im Ernstfall schnell anwenden zu können, da die Zeit für Absprachen vor Ort schlicht fehlt.

Damit die Übung möglichst realitätsnah ablaufen kann, dürften auch Statisten nicht fehlen. Daher hat das Team um Danner-Schröder an der TUK einen Aufruf gestartet, wer hierbei gerne als Statist teilnehmen würde, um einmal hinter die Kulissen zu blicken. „Wir waren überwältigt von der großen Anzahl an Freiwilligen. Wir hatten zum Schluss mehr Freiwillige als wir annehmen konnten und mussten daher auch Absagen erteilen“, erzählt die Juniorprofessorin. „Ich möchte mich nochmal bei allen Freiwilligen für ihr Engagement bedanken.“

Am Tag der Übung hat das Team des DRK die 50 Statisten geschminkt und in „Verletzte“ verwandelt, mitunter hatten Patienten einen Metallsplitter im Körper stecken, eine schwere Augenverletzung oder eine Hand verloren. – Das Ganze wirkte erschreckend realistisch.

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 14.06.2018 von
Melanie Löw