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Ein Studium dies- und jenseits der Grenze
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Maschinenbau à la française

Die TU Kaiserslautern bietet fünf deutsch-französische Studiengänge mit Universitäten im Partnerland an. Auch Stefan Wolke studiert Maschinenbau in der deutsch-französischen Variante. Kürzlich ist er von seinem Aufenthalt in Metz zurückgekommen.

Von Unispectrum live

Für Stefan Wolke stand schon früh fest, dass er einmal ins Ausland gehen möchte. „In der Schule hatte ich damals dazu die Gelegenheit“, sagt der 21-Jährige. So ging es für drei Monate nach Südfrankreich, in die Stadt Aix-en-Provence. „Das war eine schöne Zeit, ich hatte auch Glück mit meiner Gastfamilie“, erinnert sich der Student.

Für sein Studium sollte es im Anschluss ebenfalls für einige Zeit in ein anderes Land gehen. „Da ich die Sprache schon konnte, hat sich Frankreich angeboten.“ Auf der Studienplatz-Suche ist er schließlich bei der TU Kaiserslautern fündig geworden. So zog er nach seinem Abitur zum Studium von Hannover in die Pfalz.

Die TUK bietet gemeinsam mit ihrer Partneruniversität, der École Nationale d'Ingénieurs de Metz (ENIM), einen deutsch-französischen Maschinenbau-Studiengang an, der zu einem Doppelabschluss führt, der in beiden Ländern anerkannt wird. Das Studium sieht dabei einen dreisemestrigen Aufenthalt an der Partneruniversität vor.

Durch das Doppelstudium habe ich das Beste aus beiden Systemen nutzen können.

Stefan Wolke

Von diesem Aufenthalt ist Wolke kürzlich nach Kaiserslautern zurückgekehrt – mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck. „Das Studium in Frankreich ist ganz anders als bei uns“, sagt Wolke. „Es ist sehr verschult“, fährt er fort, „wir hatten von morgens 7 Uhr 45 bis nachmittags 17 Uhr 30 Unterricht, auch am Samstagvormittag.“

Insgesamt war es eine stressige Zeit, die er aber nicht missen möchte. „Man muss schon regelmäßig lernen, um den Anschluss nicht zu verlieren“, sagt er. Jede Woche gebe es zudem Klausuren, die zwar nicht so viel Stoff beinhalten würden wie die Klausuren, die am Ende des Semesters an der TUK anstehen. „Dennoch muss man sich darauf vorbereiten“, so der Student. Auch war der praktische Anteil im Studium deutlich höher als in Deutschland. „Es gab große Werkstatthallen, an denen ich nach den Vorlesungen oft an Maschinen gearbeitet habe.“ Auf diese Weise habe er zum Beispiel viel über das Programmieren gelernt. In Deutschland hingegen stehe die Forschung stärker im Vordergrund des Studiums. „Durch das Doppelstudium habe ich das Beste aus beiden Systemen nutzen können“, sagt Wolke, der in Metz seine Prüfungen sogar als Bester seines Jahrgangs bestanden hat.

Die Sprache hat für ihn von Anfang an kein großes Hindernis dargestellt, zumal er schon in der Schule Französisch hatte und zum Austausch im Land gewesen ist. „Zwar musste ich mich erst ein bisschen umstellen, aber neue Fachbegriffe eignet man sich ja auch in Deutschland erst an.“ Auch die Zusammenarbeit mit den Kommilitonen sei immer gut gewesen. Oft habe man Lerngruppen gebildet und gemeinsam an Projekten gearbeitet.

Bevor es nach Metz gegangen ist, musste er noch eine Unterkunft suchen und etliche Papiere ausfüllen. „Hier hat mir Laurence Gendron-Ulber immer Tipps gegeben. Sie hat immer ein offenes Ohr für mich“, so Wolke. Gendron-Ulber koordiniert an der TUK die deutsch-französischen Studiengänge. Sie steht allen Studierenden mit Rat und Tat zur Seite, die Fragen haben und Hilfe brauchen.

„Kompliziert war es während der drei Semester immer mit dem Einschreiben, da ich mich auch an der TU Kaiserslautern zurückmelden musste“, so der Student. Darüber hinaus musste er sich in Frankreich gleich zweimal einschreiben: sowohl an der ENIM als auch an der Universität Lothringen, zu der die École in Metz gehört. „Das hat immer Zeit gekostet“, sagt er mit einem Lachen. In Metz hatte er ebenfalls einen Ansprechpartner, der ihn jederzeit unterstützt und gefördert hat: Professor Rémy Mansanti kümmert sich auf dem Campus der ENIM mit großem Engagement um die Belange der Studierenden im Doppelstudiengang.

Gewohnt hat er in Metz in einem Studentenwohnheim. „Es war kein Problem, hier ein Zimmer zu bekommen“, sagt Wolke, der in Kaiserslautern nun auch wieder in einem Wohnheim lebt.

Zurück in Deutschland genießt er es, etwas mehr Freizeit zu haben. „Ich mache jetzt wieder mehr Sport“, so Wolke. „Da hatte ich in Metz nur wenig Zeit. Donnerstagsabends habe ich immer Volleyball gespielt und ab und an war ich joggen.“

Im Studium will Wolke seinen Schwerpunkt auf die Werkstoffwissenschaften legen. Er kann sich vorstellen nach dem Abschluss in Frankreich zu arbeiten oder auch für ein Unternehmen, das sowohl in Deutschland als auch in Frankreich tätig ist. „Hier in der Grenzregion gibt es sicherlich genug Angebote.“

Deutsch-französische Studiengänge an der TUK

ie Technische Universität Kaiserslautern (TUK) bietet mit ihren französischen Partneruniversitäten fünf deutsch-französische Studiengänge an, die zu einem Doppelabschluss führen, der in beiden Ländern anerkannt ist.

Gemeinsam mit der École Nationale d'Ingénieurs de Metz (ENIM) und der École Nationale Supérieure en Génie des Systèmes et de l'Innovation (ENSGSI) in Nancy (Universität Lothringen) gibt es die Studiengänge „Maschinenbau/Génie mécanique“ und „Wirtschaftsingenieurwesen“ an. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit dem Institut National des Sciences Appliquées in Rouen bei „Energietechnik und Kraftmaschinen/Energétique et Procédés“ sowie „Bio- und Chemieingenieurwissenschaften/Procédés chimiques et biotechnologiques“. Darüber hinaus bietet die TUK den Bachelor- und Master-Studiengang „Produktions- und Werkstofftechnik/Conception de systèmes mécaniques“ in Kooperation mit dem Institut National des Sciences Appliquées in Rouen an.

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Erstellt
am 02.07.2018 von
Melanie Löw